Design in der Postdemokratie

Frieder Bohaumilitzky

Design in der Postdemokratie

Inzwischen verwundert es, dass die Disziplin Design in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kaum für sich in Anspruch genommen hat gesellschaftlich zu wirken und vor allem als Instrument zur Umsatzsteigerung, als markenbildende Profession und als wichtige Inspiration für Produktinnovation gewirkt hat. Heute werden politische Herausforderungen im Designdiskurs vermehrt beschrieben und es wird ein Handeln seitens des Designs gefordert. Die Designtheoretikerin Claudia Banz erkennt etwa angesichts von realen und gefühlten politischen, ökonomischen und ökologischen Umbrüchen der Gesellschaft im Anthropozän und den daraus erwachsenden sozialen Krisen einen zunehmenden Handlungsbedarf des Designs. Der Designer und Designforscher Ezio Manzini und der Designtheoretiker Victor Margolin veröffentlichten 2017 einen offenen Brief an die Designcommunity und forderten Designer dazu auf, für die Demokratie aufzustehen. Sie sehen die Demokratie auch in den Ländern in Gefahr, in denen sie unerschütterlich erschien, und das Design in der Verantwortung zu handeln. Der Designphilosoph Tony Fry fordert gar, dass Design Politik werden solle. Die sich gegenwärtig ausbreitende Perspektive auf Design als Werkzeug willentlicher gesellschaftlicher Veränderung scheint zunächst unbestritten. Geht es jedoch darum, wie Design die Demokratie verteidigen soll, ist es mit der Einigkeit vorbei. Der Designdiskurs erweist sich bezüglich der Frage des Wie als durchaus heterogen. Die vorliegende Arbeit nimmt den Diskurs zur Krise der Demokratie und das Konzept der Postdemokratie zum Anlass, die unterstellte Konvergenz von Design und Demokratie einmal genauer zu betrachten. Download PDF

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